Staffel 1 · Kapitel 4
Der erste Weg
Die kalte Morgenluft machte den Kopf klarer. Der Strom der anderen Schüler führte mich zur Schule, ohne dass klar war, ob der Weg bekannt vorkam oder nur die Menge die Richtung vorgab. Die…
Die kalte Morgenluft machte den Kopf klarer. Der Strom der anderen Schüler führte mich zur Schule, ohne dass klar war, ob der Weg bekannt vorkam oder nur die Menge die Richtung vorgab. Die meisten redeten, manche lachten. Andere warfen mir kurze Blicke zu und sahen wieder weg, bevor daraus etwas werden konnte.
Vor der nächsten Ecke rannte eine Gruppe jüngerer Schüler an mir vorbei. Einer rempelte mich an, direkt gegen die Schulter. Es war nicht schlimm. Eigentlich war es nichts. Trotzdem schoss mir Hitze in den Hals.
Der Riemen meiner Tasche spannte sich unter meinem Griff.
Der Junge blieb stehen. Er war vielleicht zwei Jahre jünger und sah mit großen Augen zu mir auf. Offenbar wartete er auf einen Anschiss. Vielleicht war er daran gewöhnt. Vielleicht hatte er nur mein Gesicht gesehen.
Elias„Alles gut“, sagte ich.
Es klang nicht besonders freundlich. Aber es war besser als das, was zuerst in mir gewesen war.
Nach einem knappen Nicken lief der Junge weiter. Ein Blick auf meine Hand zeigte weiße Fingerknöchel. Am Rand des Sichtfeldes lag für einen Moment ein roter Schatten auf dem Stein; nach dem Blinzeln war er verschwunden.
Vor dem Tor drängten die Schüler dichter zusammen. Niemand schob, aber alle wollten durch. Über dem Eingang hing ein unbekanntes Zeichen: vier Linien, die sich in der Mitte trafen, ohne sich zu berühren. Ein Wächter stand daneben, alt genug, um niemandem etwas beweisen zu müssen. Sein Blick wirkte, als wüsste er schon vorher, wer zu spät kommen würde.
Die Menge trug mich durch das Tor.
Der Schulhof war groß und heller als erwartet. Mehrere Gebäude standen darum herum, in der Mitte führte ein gepflasterter Weg zum Haupttrakt. Rechts lag die Kapelle. Aus der Nähe wirkte sie noch kleiner: eine schlichte Tür, schmale Fenster, Stufen aus abgetretenem Stein. Keine Schüler hielten sich dort auf.
Trotzdem blieb ich nicht stehen.